Wenn ich das geschafft habe, werde ich glücklich sein...

Wenn ich das geschafft habe, werde ich glücklich sein...
Wenn ich das geschafft habe, werde ich glücklich sein...

 

 

Kennst du das auch?

Wenn ich eine schlimme Phase durchmache, will ich nur endlich am Ziel ankommen. Ich schaue weder nach links oder rechts, blende mein Leben völlig aus und fixiere mich nur noch auf den Abschluss der mich belastenden Phase. Nach dem Motto „Augen zu und durch“.

Wenn dies und jenes geschafft ist, dann bin ich glücklich

Sobald ich den Prüfungsstress hinter mir habe, werde ich wieder zur Ruhe kommen. Wenn ich nur 10 Kg abnehme, dann bin ich wieder eine schöne Frau. Nur noch die Kündigungsfrist durchstehen, danach darf ich wieder aufatmen. Wenn ich doch nur schon meinen Haushalt erledigt hätte, dann könnte ich jetzt eine Zigarette auf dem Balkon geniessen. Sobald die Scheidung hinter mir liegt, komme ich gerne wieder nach Hause. Viele Male hatte ich so gehandelt und gedacht, konnte in schwierigen Phasen nichts Positives erkennen und fühlte mich unwohl. Oft wich ich der Zeit bis zum Prüfungstag, letztem Arbeitstag und und und aus. Ich habe extra lange geschlafen, um nicht über meine Probleme nachgrübeln zu müssen. Ich betäubte meinen Geist, um wenigstens für ein paar Minuten oder sogar einen Abend meinen Kopf frei von negativen Gedanken zu haben.

Bin ich nachher wirklich glücklich?

Ich habe mir Stress ohne Ende gemacht, lebte nicht im Moment und war zermürbt, wenn die Pläne schlussendlich doch nicht so aufgegangen sind, wie ich mir das vorstellte. Oder ich danach doch nicht so glücklich gewesen war, wie ich es mir so sehr im Vorfeld wünschte.

 

Am schlimmsten waren die Erkenntnisse, dass es niemals eine Zeit im Leben geben wird, in der alles perfekt abläuft und es nie keine Schwierigkeit gibt. So war beispielsweise der lang ersehnte letzte Arbeitstag gekommen, dafür fiel eine grössere Autoreparatur an.

Einerseits ist mir bewusst, dass es immer anders kommt, als ich es mir vorstelle. Viele Male kam es sogar noch besser heraus, als ich es mir hätte wünschen können. Ich machte mir also zu viele Gedanken und verschwendete kostbare Zeit mit Kopfkino und bösem Zukunftsszenario. Andererseits übersah ich dabei das Hier und Jetzt. Es war, als würde all das, was mir in dieser Zeit sonst noch passierte, gar keine Rolle spielen. Ich lebte nicht, ich überlebte bis zum ersehnten Datum X. Dabei litt ich an Alpträumen, Angstattacken, Erschöpfung und wurde im schlimmsten Fall krank.

Glücklichsein nicht aufschieben

Ich versäumte umsonst einen Teil meines begrenzten Lebens. Als mir das klar wurde, änderte ich mein Verhalten. Natürlich bin ich noch nicht ganz "gesund" und kann mir immer noch zu viele Sorgen und Gedanken zu einem Thema machen. Doch es gelingt mir je länger je mehr das Gesamtbild zu sehen.

 

Fakt ist, es schmerzt, wenn ich in einer Trennungsphase stecke. Klar ist, es macht keinen Spass, den Grossteil meiner Freizeit in die Prüfungsvorbereitung zu stecken. Die Kündigungsfrist "abzusitzen" kostet einiges an Überwindung und Stärke.

Doch ich weiss: der Kummer wird mit der Zeit weniger und weniger, das Lernen ist nicht umsonst und ich gehe ja gerne zur Schule, der letzte Arbeitstag ist absehbar.

Wieso sollte ich mich bis dahin nicht auch anderweitig beschäftigen können? Muss ich Trübsal blasen? Ist mir diese eine Sache es wert, die Zeit ohne weitere Erfahrungen und Erinnerungen verstreichen zu lassen?

 

Ich versuche mein Leben als Ganzes zu betrachten. Es gibt nicht nur den einen Menschen, die eine Sache, den einen Tag, was mir wichtig ist und was bedeutet. Wenn ich mit meiner besten Freundin Streit habe, habe ich nicht gleich mit all meinen Freunden Krach. Wenn ich bei der Arbeit einen Fehler mache, dann heisst das noch lange nicht, dass ich grundsätzlich eine schlechte Mitarbeiterin bin. Wenn meine Frisur nicht sitzt, kann ich mich doch über den Rest meines Looks freuen. Auch wenn ich daran bin eine neue Wohnung zu suchen, weil es mit der Wohngemeinschaft nicht klappte, befinden sich immer noch meine persönlichen Sachen und Möbel im Haus, wieso kann ich mich nicht auch während dieser Phase auf mein Zuhause freuen und mich dort ausruhen dürfen? Ich will mich nicht von der Welt abschotten, nur weil nicht alles reibungslos läuft. 

Die Zeit vergeht so oder so, ob ich nun auf dem Boden sitze und den Teppich anstarre, im Fitnessstudio Sport mache oder mit guten Freunden lache: die Zeit steht nie still. Ich versuche das zu tun, was meinem Geist und meinem Körper gut tut. Das Leben hat so viele schöne Seiten, ich will mich nicht in einer Luftblase verstecken. 

 

 

Deine Ella    

 

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