Was ist eine Depression? Habe ich eine Depression?

Depression Teil 1
Was ist eine Depression? Habe ich eine Depression?

 

 

Was ist überhaupt eine Depression?

Was gibt es für Anzeichen?

Was kann ich tun, wenn jemand in meinem Umfeld an einer Depression leidet?

Habe ich selbst eine Depression?

Ich bin betroffen, was kann ich machen?

 

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Eine Depression ist...

"Eine Depression ist eine weit verbreitete psychische Störung, die durch Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann."

Quelle: WHO-Regionalbüro für Europa

 

"Depressionen gehen immer mit seelischen, körperlichen und sozialen Veränderungen einher. "

Quelle: Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Typische Anzeichen einer Depression

Es gibt typische Symptome, die, wenn sie länger als zwei Wochen anhalten, einen Hinweis einer vorliegenden Depression geben können.

 

Aber Achtung: Selbstdiagnose ist schon einmal ein guter Schritt, doch empfehle ich in jedem Fall sich vom Hausarzt oder von einem Psychologen/Psychiater beraten und untersuchen zu lassen, um eine Fehldiagnose auszuschliessen. Nur mit der richtigen Diagnose lassen sich die richtigen Behandlungsschritte einleiten. 

 

Symptome einer Depression auf der Gefühlsebene

  • innere Leere
  • Stimmungsschwankungen
  • das Gefühl der Traurigkeit, Freudlosigkeit, Angst
  • sich antriebslos fühlen

 

Symptome einer Depression auf der Gedankenebene

  • Selbstabwertung
  • negative Gedanken
  • Suizidgedanken
  • Entscheidungsunfähigkeit
  • ständiges Grübeln
  • Vergesslichkeit, Schwierigkeiten bei der Konzentration

 

Symptome einer Depression auf der Verhaltensebene

  • sozialer Rückzug
  • es scheint, als wäre die Alltagsbewältigung ein ständiger Kampf
  • sich selber und sein Äusseres vernachlässigen
  • Trägheit, Aktivitätenabbau
  • keine Lust auf Sex, verringerter sexueller Trieb

 

Symptome einer Depression auf der somatischen Ebene

Hierbei zählen die körperlichen Beschwerden wie: 

  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafen)
  • Gewichtsveränderung (Zu- und Abnahme)
  • Appetitverlust oder übermässiger Appetit
  • Herzklopfen
  • Atemnot
  • Verdauungsprobleme
  • Übelkeit, Erbrechen
  • das Gefühl, sich ständig müde, kraftlos oder nervös zu fühlen
  • körperliches Unwohlsein

Wie helfe ich einem Betroffenen?

Ein offenes Ohr

Du musst nicht verstehen, wie es ist, an einer Depression zu leiden. Wichtig für die betroffene Person ist es zu wissen, dass jemand da ist, mit dem sie reden kann, der ihr zuhört und sie nicht mit unnötigen Ratschlägen wie "lach doch einfach mal wieder" oder Beschuldigungen à la "klar geht es dir so schlecht, wenn du so viel Alkohol trinkst" zu ballert. 

 

Verständnis zeigen

Auch wenn jemand nicht die Erfahrung einer Depression machen musste, kann dieser Mensch doch sehr hilfreich im Leben einer an Depression leidenden Person sein. Auch wenn das Umfeld nicht diese Erfahrung der Krankheit machen musste, ist es doch eine grosse Hilfe und Stütze, wenn sie der depressiven Person zeigt "ich verstehe, dass es dir schlecht geht". Absolut kontraproduktiv finde ich Aussagen wie "du siehst gar nicht aus, als seist du krank, du simulierst doch nur". Denn vielen Erkrankten sieht man bis zum totalen Absturz äusserlich nicht an, wie schlecht es ihnen wirklich geht und wie sehr sie innerlich leiden. Vorurteile und eigene Erfahrungen sind hier überflüssig. Jeder Mensch ist ein Individuum, jeder geht anders mit Schicksalsschlägen um. Meiner Meinung nach soll jedem der nötige Respekt und Freiraum zugesprochen werden, wie er oder sie mit der Lebenssituation umgeht. Wenn jemand daran leidet, soll sein Leid verstanden werden, nicht bewertet oder gar verleugnet werden. 

 

Sich zum Thema Depression informieren

Sei es im Internet oder bei Fachstellen, anhand von Büchern oder Zeitschriften, es gibt viele Auskunftsmöglichkeiten. Auch einmal bei der erkrankten Person nachfragen, wie es ist an einer Depression zu leiden und wo sie sich auf ihrem Weg gerade befindet. 

Ich leide an einer Depression, was kann ich tun?

Leider ist es nicht so, dass ich an einem Freitag völlig gesund bin und am Samstag die Depression "bekomme". Ich schreibe "leider", weil dann die Erkennung und Behandlung viel schneller in Gang gebracht werden könnte. Die Depression schleicht sich langsam in das Leben eines Menschen ein. Viele Dinge kommen zusammen. Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukunftssorgen. Jede Erkrankung hat ihren eigenen Ursprung und zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Ein Anzeichen, wie oben beschrieben, kann schon einmal helfen herauszufinden, an was ich leide. 

 

Ich empfehle auf jeden Fall bei einem Verdacht auf Depression seinen Hausarzt aufzusuchen. Ein Gespräch mit einem Psychologen oder einem Psychiater ist hilfreich. So lässt sich herausfinden, was uns im Leben derart belastet und in die Tiefe zieht. Ob Medikamente nötig sind, eine stationäre Behandlung in einer Klinik oder eine teilstationäre Behandlung in einer Tagesklinik, wird ganz individuell mit dem Betroffenen angeschaut. Hier empfehle ich grundsätzlich: höre auf dich und deinen Körper! Was brauchst du? Was geht einfach überhaupt nicht mehr? Egal was andere sagen, egal was andere denken, wenn es dir gut tut Medikamente zu nehmen, dann nimm sie. Wenn du keine Kraft mehr hast zu arbeiten und dich dein behandelnder Arzt krank schreibt, hab kein schlechtes Gewissen. Die Gesundheit ist so wichtig! Wenn dich andere für schwach halten, denken du simulierst oder bildest dir das ganze nur ein, was sind dann das für Menschen? Schütze dich und deinen Körper. Die Menschen, die dir gut tun, die dich verstehen und so sehen, wie du wirklich bist, bleiben an deiner Seite und helfen dir auf diesem schwierigen Weg. 

 

Nachdem ich weiss, ich leide an einer Depression und ich bin in ärztlicher Behandlung, können diese Möglichkeiten hilfreich sein: 

 

Positive Aktivitäten in den Alltag einbauen

Sei es ein gutes Buch lesen, einen Film schauen, faulenzen, ein Bad nehmen, sich etwas feines zu Essen machen, seinen Körper pflegen, ... was auch immer dir gut tut, baue es in deinen Alltag ein. Versuche, dir jeden Tag etwas gutes zu tun. 

 

Sich selbst seine beste Freundin/sein bester Freund sein

Was brauche ich jetzt? Was tut mir jetzt gut? Sich nicht schlecht machen oder für einen Versager halten. Sei nicht so gemein zu dir. Sei lieb zu dir selbst.

 

Akzeptanz

Es gibt immer mal wieder Tiefen. Klar, es ist total mühsam, wenn ich nach einer langen Zeit endlich mal einen guten Tag erlebe und bereits am Abend falle ich wieder in ein Loch. Das ist leider so bei einer Depression. Es wird immer wieder Höhen und Tiefen geben. Versuche, die Tiefen zu akzeptieren. Versuche in den Hochs diese zu geniessen. Leichter gesagt, als getan, ich weiss. Vielleicht hilft es dir aber mit der Zeit die Tiefs zu akzeptieren und den Schmerz, die Trauer und die Frust als Heilungsprozess anzuerkennen. 

 

Vertrauen

Versuche darauf zu vertrauen, dass es besser wird. Vielleicht nicht morgen oder in einem Monat, aber es wird besser. Egal, wohin dich ein Weg noch bringt, es wird besser werden. Ich habe einmal einen tollen Spruch gelesen, weiss nicht mehr wo, der ging so: "am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende." Versuche dem Leben zu vertrauen, es wartet noch viel mehr auf dich als du bis jetzt erlebt hast. 

 

Krankheit als Chance sehen

Wie jetzt? Wie soll eine Krankheit eine Chance sein? Ich glaube, nur wer schon einmal so tief gesunken ist, als nichts mehr ging, der Körper sich weigerte zu funktionieren, die Gedanken im Negativen kreisten und keine Hoffnung auf Besserung bestand, wird es verstehen. Eine Depression, die so viel von einem nimmt, gibt auch wieder so viel. Während der Auseinandersetzung mit dieser nervenzerrenden Krankheit lernst du unglaublich viel über dich und deinen Körper. Du verstehst die Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele, sprich merkst, wie dein Körper auf deine Stimmung reagiert. Du bist beispielsweise in einer unglücklichen Beziehung und musst ständig erbrechen, was so viel heissen kann, wie, ich fühle mich in dieser Situation, in dieser Beziehung, unwohl und finde das Ganze zum "würgen". Durch die Krankheit lernst du viel über deine Vergangenheit, setzt dich intensiv mit ihr auseinander, was dir wirklich sehr helfen kann die Gegenwart besser zu verstehen und mit ihr umzugehen. Die Krankheit zeigt dir auf, was du in deinem Leben ändern kannst, damit es dir besser geht. Sei es ein anderer Job, ein anderes Umfeld, die Beendigung von Freundschaften oder einer Beziehung, andere Hobbys, andere Ess- und Schlafgewohnheiten, ... Durch die Krankheit und deren Behandlung wirst du automatisch achtsamer und nimmst dich und deine Umwelt bewusster wahr. Ich sage gerne "du findest zu dir selbst". Und das alles ist eine riesen Chance. 

 

Lebe deine kreative Ader aus

Denke nicht gleich "oh das kann ich eh nicht", "ich weiss nicht wie es geht" oder "ich bin doch nicht kreativ". Versuche verschiedene kreative Tätigkeiten aus. Hier können Anleitungen sehr helfen, sei es aus einem Buch, über das Internet, Videos auf YouTube, Erfahrungen von Freunden. Ich finde, einfach mal ausprobieren und ich denke, in jedem von uns steckt eine kreative Ader.

 

Wenn dir gerade nichts einfällt, was dir gefallen könnte und wo du dein verstecktes Talent finden könntest, habe ich hier eine kurze Liste mit möglichen kreativen Tätigkeiten:

  • zeichnen/malen
  • tanzen, singen
  • basteln mit Holz, Ton, Papier, Karton, Styropor etc.,
  • häkeln/stricken
  • schreiben
  • Gegenstände verzieren
  • Schmuck basteln
  • dekorieren
  • Gartenarbeiten
  • neue Koch-/Backrezepte ausprobieren und eigene zusammenstellen
  • nähen
  • ...

Versuche das neugierige Kind in dir aufzuwecken, das gerne ausprobiert und keine Angst vorm Scheitern hat. Ausprobieren und wenn dir was nicht liegt, dann etwas anderes versuchen. 

 

Da wir Menschen und keine Roboter sind, ist nicht jeder Ratschlag für jeden genau gleich wichtig und heilsam. Am besten ausprobieren, was dir gut tut und das weglassen, was dir überhaupt nicht gut tut. 

 

Deine Ella

 

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