Ich sehe den Himmel vor lauter Wolken nicht

Depression
Ich sehe den Himmel vor lauter Wolken nicht

Kennst du das auch?

 

In einer neuen Situation kommen alle alten, negativen Gefühle hoch. Trigger und Altlasten, auf die ich gut verzichten könnte. 

 

Ich kann nicht mehr objektiv beurteilen, bin zu fest mit meinen erdrückenden Gedanken und Gefühlen verbunden. Es ist ein wahrer Teufelskreis, aus dem ich nicht mehr heraus finde. Die Negativspirale geht weiter und weiter nach unten. 

 

Ich kenne das, ...

Eine weise Person lehrte mich, dass ich diesen Gedanken habe, ich aber nicht dieser Gedanke bin.

 

Geht es mir gut oder mal nicht allzu schlecht, hilft mir dieser Leitsatz sehr. Er verleiht mir Mut und Kraft.

 

Wenn ich jedoch in einem Tief bin, ich nur noch das Schwarze und Dunkle sehe, dann ist meinem Inneren dieser Leitsatz sowas von egal. Ich bin gefangen im Strudel alter Gefühle und Erfahrungen. Ich weiss zwar ganz genau, das ich das schon einmal überstanden habe, ich bin mir bewusst, dass es irgendwann einmal wieder aufwärts geht - nur hilft mir das in jenem Moment nicht weiter. Meinem Verstand ist der Ablauf klar, aber mein Herz empfindet es als schön reden und mich selbst belügen. Es ist so, als seien mein Verstand und mein Herz auf einer Bergwanderung, der Verstand immer ein grosses Stück voraus, das Herz kommt kaum nach. Der Verstand mag bereits die grösste Hürde geschafft haben, doch solange Verstand und Herz nicht miteinander angekommen sind, geht es mir schlecht. So schlecht, dass ich das grosse Ganze nicht überblicken kann, alles ist mir zu viel und ich kann nur die grauen Gedanken hören, die dunklen Gefühle fühlen. Alles scheint hoffnungslos und unendlich traurig.  

 

Wie kann ich anderen erklären, wie es mir gerade geht und warum ich nicht "einfach" lachen und glücklich sein kann (obwohl ich es vielleicht gestern erst noch war): 

Ein Ereignis, eine Stimmung in mir drin, eine Situation oder ein Gespräch reicht...

...ich fühle mich zutiefst erschüttert. Fühle mich so, als ob der Schicksalsschlag wie ein Hammer auf mich oben drauf schlägt und ich durch die Wucht in den Boden gerammt werde, der Bodenbelag um mich herum zersplittert, ich bin im Boden eingepfercht. Wenn dann ein Lufthauch von Freude und Euphorie auf mich oder um mich herum kommt, ich nicht mit den Menschen und ihren Emotionen mitschwinge, ist das im Grunde genommen logisch: ich bin so fest im negativen Sumpf verankert, dass mich eine leichte Luftbriese überhaupt nicht bewegen kann, ich bleibe regungslos. Auch wenn ich wollte, ich bin steif und blockiert, nichts geht. 

 

So ein Gefühlstief ist sehr komplex und sadistisch, es ändert immer wieder seine Strategie und ist und bleibt unberechenbar!

  • Sei es, dass ich gar keine Gefühle mehr spüre, ich bin kalt und ich fühle mich als hätte ich kein Herz
  • Dann wiederum bin ich total emotional. Ich weine, ohne es zu wollen, ich werde wütend und schlucke all das Negative runter, weil ich mich so fühle, als ob ich machtlos und der Welt total ausgeliefert bin
  • Auch mein Körper kann danach reagieren, wie er gerade Lust hat. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Ausschlag, Gelenkschmerzen und weitere unangenehme Belastungen. Der Körper ist schlicht zu schwach für das emotionale Ausmass
  • Es gibt auch ein Zwischending von emotionaler Kälte und innerer Hitze. Es ist, als fühle ich nichts ausser eine unerträgliche Wärme tief in mir drin. Mir ist heiss, auch wenn ich draussen bei 8Grad Kälte stehe. Diese Hitze, die Wärme um mein Herz herum, ist mir viel zu viel. Ich kann es mit keinen Emotionen oder Gedanken verbinden. Ich spüre mich nicht, ich kann mich nicht frei bewegen, jede Sitz- und Liegeposition ist sehr unangenehm, dann allein diese unnötige und unerklärliche Wärme, die mich erdrückt und mir völlig fremd ist

Immer, wenn ich glaube, ich weiss, wie ich das nächste Mal reagieren kann - weil es mir das letzte Mal geholfen hat - lerne ich auf ein Neues, dass das Gefühlstief jedes Mal anders ausgeprägt ist. Ich kann mich nicht darauf vorbereiten, kann nicht eine Anleitung hervor nehmen und diesen Knopf drücken, damit es mir nachher so geht, wie ich es gerne hätte.

... ich kann auch ohne diese Gefühle, ...

Ich habe viel darüber gelesen, dass man sein Gehirn umprogrammieren kann. Das heisst konkret: wenn ich merke, dass ich wieder in ein Tief falle, sich wieder die negativen Gedanken und Gefühle melden, ich gleich anfangs damit beginne, umzudenken. Ich überdenke mein Denken. Hier ein paar Beispiele von automatischen Gedanken* und möglichen, realistischen Alternativen*: 

 

*  Automatische Gedanken = programmiertes Verhalten_Gedanken und Gefühle, wie ich sie von früher kenne und ich automatisch danach handle

** Realistische Alternativen = alternative Denkweise_wie könnte ich mit der Situation anders umgehen_was passiert, wenn ich die Situation mit anderen Augen betrachte_auf der sachlichen Ebene

 

 

Die Chefin beauftragt mich für sie einen Termin auszumachen und für sie Dokumente abzulegen, obschon das nicht zu meinem eigentlichen Aufgabengebiet gehört.

  • Automatischer Gedanke: Ich fühle mich, als sei ich ihr "Bimbo", der die herrische Chefin von vorne bis hinten bedienen muss, ja nicht selber denkt oder seine Meinung äussert. Ich fühle mich gefangen und ihrer Macht ausgeliefert. 
  • Realistische Alternative: Es ist nur eine Aufgabe von vielen, ich habe hauptsächlich Aufgaben, die mir gefallen und ich gerne mache. Ich hatte noch nie den perfekten Job, es gibt immer was, das mir nicht gefällt. Ich sehe die Chefin nicht als Freundin, sondern als eine Stelle im Organigramm, die auch nur die übertragenen Aufgaben erfüllen muss und arbeitet, um ihr Leben finanzieren zu können. Und schliesslich: für jede Minute, die ich arbeite, bekomme ich Lohn. Wenn man mir den gleichen Lohn pro Minute für solche Aufgaben zahlt wie für verantwortungsvollere Aufgaben, dann ist das für mein Gehirn wie eine Art Pause und auch diese Zeit geht vorbei.

 

Mein Freund möchte lieber sein Wochenende mit seinen Kumpels verbringen anstatt mit mir.

  • Automatischer Gedanke: Er liebt mich nicht mehr, ich bin ihm nicht wichtig genug. Seine Kumpels haben mehr Priorität als ich, obwohl ich doch seine Vertraue und Nummer 1 sein müsste.
  • Realistische Alternative: Ich freue mich für ihn, dass er gute Freunde hat und ob sie jetzt eine Stunde oder ein Wochenende miteinander verbringen, ist schlussendlich nicht relevant. Ich liebe ihn und vertraue ihm. Zudem habe ich dann Zeit für mich, sturmfrei, yeah :-) 

 

Mein Arbeitskollege hat mich heute morgen nicht begrüsst als wir uns auf dem Flur begegnet sind.

  • Automatischer Gedanke: Er ist böse auf mich, ich weiss nicht warum und bin traurig. Oder: So ein Blödmann, der konnte mir nicht mal "guten Morgen" sagen, den ignoriere ich heute Mittag, ganz einfach. 
  • Realistische Alternative: Er war vielleicht in Gedanken ganz woanders, er hat mich vielleicht nicht gesehen oder gehört. Er hat mich bestimmt nicht absichtlich nicht gegrüsst, ich kenne ihn, er ist ein ganz toller Mensch. 

 

Meine beste Freundin schreibt mir nicht zurück. 

  • Automatischer Gedanke: So eine blöde Kuh. Ich schreibe ihr immer gleich zurück, aber sie....nicht. Sie mag mich wohl nicht so wie ich sie. Na warte, das nächste Mal lasse ich mir auch Zeit. 
  • Realistische Alternative: Sie hat gerade keine Zeit. Sie möchte sich wahrscheinlich in Ruhe bei mir melden, Qualität über Quantität. Sie meldet sich bestimmt noch bei mir, ich kenne sie. 

 

Meine Freunde liken und kommentieren meine Texte/Beiträge nicht. 

  • Automatischer Gedanke: Ich bin ihnen egal, sie wissen wohl nicht, wie viel mir diese Homepage bedeutet. Sie unterstützen mich nicht in meinem Plänen, sie mögen mich nicht mehr. 
  • Realistische Alternative: Schreiben ist mein Ding, ich kann nicht davon ausgehen, dass sich jeder in meinem Umfeld für solche Texte interessiert oder die Zeit hat, all meine Blogg-Beiträge oder Gedichte zu lesen. Meine Homepage und deren Kommentare hat nichts mit meinen Freundschaften zu tun. Das sind zwei Paar Schuhe. Ich freue mich einfach über jeden einzelnen Kommentar und Like, darüber hinaus erwarte ich nichts und werde so nicht enttäuscht. 

Ich kenne das, ich kann auch ohne diese Gefühle, ich lasse sie los.

Mein Inneres 

Ich kenne das Gefühl der Enttäuschung, Projektion ist für mich kein Fremdwort, ich erkenne die Trigger und entlarve sie als solche, auch auf Projektionen achte ich mich, dieser und jener Gedankenablauf ist mir bekannt - ich lasse mich von ihnen nicht kaputt machen. 

 

Äussere Einwirkungen

Es wird immer wieder Menschen geben, die einen völlig anderen Charakter als ich haben, anders denken, die Dinge nicht so sehen wie ich und von ihren Mitmenschen mehr oder weniger erwarten als ich. Ich mache mir bewusst, dass ihre Abwertungen, bösen Worte, unprofessionelle Art und Weise mir gegenüber, abschätzige Blicke und Steine in meinem Weg nicht zwingend mit mir als Person zu tun haben. Oft sind es Dinge an mir, die diese Personen an frühere Personen oder sie selbst erinnert und sie triggert, dadurch projizieren sie all das Negative auf mich und lassen mich dafür bezahlen, für das ich nichts kann. Oft sind es Missverständnisse, Neid, Angst um ihre Position, Machtkämpfe, Konkurrenzdenken oder Eiversucht. Ich lerne, dass das ihre Probleme sind, nicht meine. Das ist ihr Drama, nicht mein Drama. Ihre Kritik ohne Hand und Fuss können sie für sich behalten, ich bin nur offen für konstruktive Kritik. 

 

Gerne teile ich mit dir einige Sätze, die ich mir in den Jahren zugelegt habe oder ich von guten Freunden mit auf den Weg bekommen habe. Ich hoffe, der eine oder andere kann dir auch helfen die Dinge ein wenig lockerer zu sehen, nicht gleich in ein tiefes Loch zu fallen und dich von einer Situation oder Person abzugrenzen. Wenn auch nur für einen Moment abgrenzen, damit du Luft zum Atmen bekommst und einen Schritt weg von der Negativität machen kannst, um dir eine Pause zu gönnen. 

 

  • "für Null "Stutz" (=Euro, Dollar) gibt's Null Gedanken"
  • "um was geht es eigentlich?"
  • "nur weil er/sie perfekt ist, heisst das nicht, dass er/sie perfekt für mich ist"
  • "lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende"
  • "ich bin es mir wert "nein" zu sagen"
  • "es gibt nur eines, dass ich muss und das ist zu sterben"
  • "wir kommen alleine auf die Welt und sterben alleine"
  • "ich bin es mir wert auf mich Rücksicht zu nehmen"
  • "ich gebe mich nicht auf für dich, doch öffne ich mein Herz gern voller Zuversicht"
  • "nur das Universum weiss, warum mir das passiert/ich das durchmachen muss. Doch am Ende macht es Sinn, darauf hoffe und vertraue ich"
  • "am Ende kommt alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es nicht das Ende"
  • "für alles, auch für die schlimmsten Schicksalsschläge, gibt es einen Grund. Früher oder später wissen wir, so hoffe ich zumindest, warum wir das durchmachen mussten und wo der Sinn darin lag"

 

 

Deine Ella

 

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