Seinen Traummann behalten oder in die Traumwelt verbannen?

Traummann
Seinen Traummann behalten oder in die Traumwelt verbannen?

 

Er sieht blendend aus, sagt immer das Richtige, verhält sich zuvorkommend und trägt uns auf Händen.

 

Falls es mal den Anschein macht, dass er etwas so tun oder sagen würde, was uns nicht gefällt, so spulen wir zurück und schreiben die Szene neu.

 

Ja, die Rede ist von einem Traummann. Traummann im wahrsten Sinne des Wortes.

Wie entsteht dieser Traummann?

Wir sehen uns einen schnulzigen Liebesfilm an und der Hauptdarsteller, mit seinem umwerfenden Lächeln und seiner stürmischen Art, versucht das Herz seiner Allerliebsten zu erobern und gesteht seine Liebe vor grossem Publikum. Vor uns läuft ein Pärchen Händchen haltend die Strasse entlang oder im Restaurant neben unserem Tisch sitzen zwei Verliebte, die sich tief in die Augen schauen und er ihre Hand hält. Auf Facebook postet unsere Kollegin, auf welch romantischer Reise sie gerade mit ihrem Liebsten ist und eine andere, wie er ihr in den Ferien einen Heiratsantrag gemacht hatte.

 

Je nach Verfassung können wir uns darüber ärgern und wir zählen alle Vorteile des Singlelebens auf. Wir rebellieren und wiedersetzten uns dem Gedanken, auch eine Beziehung haben zu müssen.

 

Aber in den Momenten, in denen wir uns nach jemand besonderem an unserer Seite sehnen, stellen wir uns die Frage: „was wäre, wenn...“. Was wäre, wenn wir diejenigen sind, welche. Wäre es nicht schön, wenn wir die Frau wären, die mit ihrem Freund romantisch im Kino sässe und sich bei grusligen Szenen an seinem starken Arm festhalten könnte?

 

Manchmal frage ich mich, kann es sein, dass hinter dem Traummann noch mehr als eine Sehnsucht steckt? Sind unsere Träume Erinnerungen an ein Leben vor dem jetzigen? Eine Vision, was in Zukunft passiert? Wieder nimmt die kleine Träumerin in mir Überhand und reimt sich Schicksal und Vorsehung zusammen. 

Traummann; ein Segen oder ein Fluch?

Der Traummann, hach, er ist einfach traumhaft: 

  • Sind wir traurig, tröstet er uns genau so, wie wir es in diesem Moment brauchen
  • Wünschen wir uns eine liebe Umarmung, liest er uns diesen Wunsch von den Augen ab
  • Vor Freunden stellt es uns als die eine Frau vor, mit der er sein restliches Leben verbringen möchte
  • Bei Streitigkeiten ist er genauso lösungsorientiert wie wir, achtet auf seine Worte und erhebt niemals seine Stimme

Viele Frauen haben ihn, ihren persönlichen Traummann.

 

Wir stellen uns in bestimmten Situationen vor, wie es wohl gerade jetzt wäre, wenn der „Richtige“ an unserer Seite ist.

Als Single oder in einer unzufrieden stellenden Beziehung tendieren wir dazu unsere Herzenswünsche, in einer anderen Welt, einer Traumwelt, zu erfüllen. Sei dies, wenn wir Singles zu Hause alleine auf dem Sofa liegen und am liebsten kuscheln würden, aber niemand da ist. Wir stellen uns vor, wie schön es wäre, wenn ein Mann, unser Traummann, gerade hier bei uns wäre und uns in den Arm nimmt, mit uns redet und wir zusammen lachen. Wenn wir Streit mit unserem Freund haben, fantasieren wir davon, wie er, der Traummann, wohl reagiert hätte, was er anders als der echte, reale Freund, getan hätte.

 

Der Traummann verletzt uns nie und mit ihm zusammen sind wir glücklich und nichts scheint unüberwindbar. Er hat und macht keine Fehler, liebt und schätzt uns, so wie wir sind, versteht all unsere emotionalen Ausbrüche und reagiert perfekt darauf. Eine herrliche Vorstellung, ein wahrer Traum.

 

Für viele bleibt es bei der situationsbezogenen Vorstellung ihres Traummannes. Andere träumen fast täglich von ihrem Traummann, er wird in die schönsten und leidenschaftlichsten Tagträume eingebunden. Einige gehen soweit, dass der Traummann fester Bestandteil des täglichen Lebens ist und das seit vielleicht schon vielen Jahren. Plötzlich taucht er auch in unterbewussten, nächtlichen Träumen auf.

 

Wir sind es aus Liebesfilmen gewohnt, dass sich sein und unser Blick trifft, es sofort Klick macht und wir für immer und ewig glücklich zusammen leben. Hier und dort wird ein Drama eingebaut, doch wissen wir genau, dass sie am Ende zusammen kommen. Wir als Zuschauer profitieren davon, dass wir sehen und hören, was sie beide tun, was sie mit Freunden besprechen, was ihre Absichten sind und wie sie beispielsweise auf eine flirtende Drittperson reagieren. Im echten Leben haben wir diese Sicherheit und das Wissen nicht.

 

Bleiben wir Zuschauerin eines Liebesfilms mit Happy End, in denen andere die Hauptrolle spielen? Träumen wir weiter von der perfekten Beziehung mit unserem Traummann, den es in Wahrheit nicht gibt? Sich träumend vorzustellen, was wäre, wenn, ist meiner Meinung nach absolut in Ordnung, solange es uns nicht davon abhält, unser echtes Leben ausreichend zu leben und zu geniessen.

Wo hört der Traum auf und wo beginnt die Realität?

Wenn wir uns erst einmal auf diese Traumwelt einlassen, ist es sehr schwer, wieder herauszukommen. Warum sollten wir überhaupt? Denn dort, an seiner Seite, ist es wunderschön. 

 

Echte Männer haben ihren eigenen Kopf. Vielleicht schmatzen sie beim Essen, vielleicht schauen sie zur Fussballsaison die ganze Zeit Sport oder schnarchen und rauben uns den Schlaf. 

 

Ziemlich sicher gibt es auch einmal Meinungsverschiedenheiten und wir bekommen nicht immer das, was wir wollen, so wie wir es vom Traummann gewohnt sind. Denn dieser entspringt unserer Fantasie und macht und sagt alles, was wir möchten. Ohne wenn und aber, er verwöhnt uns nach Strich und Faden.

 

Was, wenn der Traummann und der reale Mann aufeinander treffen würden? Was würde passieren, wenn mein Traummann in echt plötzlich vor mir stünde? 

 

Ich bin realistisch genug zu begreifen, den Traummann, genau so, wie er in meinem Kopf ist, innerlich wie äusserlich, gibt es nicht. Die kleine Träumerin in mir glaubt jedoch immer noch daran, dass ich ihm morgen über den Weg laufen könnte. Ob die Träumerin schlussendlich recht hat oder ob ein realer Mann den Traummann in den Schatten stellt und vergessen lässt, das weiss nur die Zeit. 

 

Es kann gefährlich sein, den realen Mann mit dem Traummann zu vergleichen. Ersterer erhält gar keine echte Chance. Wenn wir bereits zu Anfangs denken, der Traummann hätte mir jetzt eine längere Nachricht geschrieben als nur „hey, wie geht es dir?“, hätte mir die Türe aufgehalten, wenn wir zusammen ins Restaurant gingen, hätte daran gedacht, dass ich heute ein wichtiges Meeting habe. So verpassen wir die Möglichkeit auf echte Berührungen und echte Zukunftspläne mit einem echten Partner.

 

Sobald ich eine echte Beziehung führe, könnte der Traummann kommen und ich würde ihn vielleicht gar nicht mehr so sehen, wie vorher und würde mich vielleicht gar nicht mehr zu ihm hingezogen fühlen, wie früher. So stelle ich mir das vor. Jetzt, bis jetzt, ich noch keinen Mann fand, der wirklich zu mir passte und mit dem ich ernsthaft eine Zukunft aufgebaut habe. Grundsätzlich bin ich der Meinung, wenn wir eine Beziehung eingehen, entscheiden wir uns genau für diese eine Person. Komme was wolle, solang es zwischen uns zweien stimmt, kann uns niemand, selbst der Traummann nicht, auseinander bringen. 

 

Realistisch betrachtet wäre es doch langweilig, wenn der Partner an unserer Seite keine Ecken und Kanten hätte, nicht?

Es macht einen Menschen doch erst recht attraktiv und anziehend, wenn er weiss, was er will und seine eigene Persönlichkeit hat. Umgekehrt wollen wir doch auch so akzeptiert und geliebt werden, genau so, wie wir sind. Wir wollen keine Puppe sein, die sagt und macht, was der andere auf Knopfdruck von uns verlangt. Wie in echten Freundschaften gibt es auch in echten Liebesbeziehungen Reibungen und Entwicklungen.

 

In Abänderung meiner Veröffentlichung vom 11.02.2016 

 

 

Deine Ella

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Reyfakt- Blog des Lebens (Freitag, 05 Januar 2018 11:49)

    Hallöle :)

    Ein super Beitrag, auch wenn ich persönlich nicht an ein/e Traumfrau/mann glaube. Im Grunde ist doch genau dieser Mensch unser Traum, mit dem wir unser Leben verbringe möchten. Es ist äußerst wichtig auch mal Rückschläge zu bekommen und einstecken zu müssen, denn nur so verlieren wir uns nicht selbst. Die Frage lautet ja, ob man überhaupt in der Lage ist einen Traumpartner zu haben, ich denke irgendwann kommt der Moment, wo man sich fragt, ob man für den Partner gegenüber auch ein Traum ist, oder nicht? Daher finde ich etwas Schwachsinn. Da man sich auf einer Welle lieben sollte.

    Der Beitrag ist dennoch wunderschön mit viel Text und aus der Seele geschrieben. Ich finde Ihn einfach Klasse ! Bitte höre niemals auf ! Sei Fleißig und dann bin ich mir sicher, dass du was reißen kannst!

    Liebe Grüße
    Reyfakt vom Blog des Lebens
    https://reyfakt-blog.jimdo.com/

  • #2

    Ella (Freitag, 05 Januar 2018 11:59)

    Lieber Reyfakt/Lukas

    Vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar. Es ist spannend die Sicht eines Mannes in Bezug auf dieses Thema zu lesen.

    Nochmals vielen lieben Dank und einen schönen Nachmittag!:-)

    Deine Ella