Loslassen: Ich schliesse Frieden mit der Vergangenheit

Loslassen: Ich schliesse Frieden mit der Vergangenheit
Loslassen

 

Kennst du das auch?

 

Wenn ich mich an manch vergangene Situation erinnere, denke ich mir 

  • "hätte ich damals auf mein Bauchgefühl gehört..."
  • "wäre ich früher von dort weggegangen..."
  • "ich wünschte, ich hätte nie..."

und stelle mir vor, wie gut es mir wohl heute gehen könnte, hätte ich mich dazumal anders entschieden. 

 

TELLYVENTURE  hat zur Blogparade aufgerufen. Das Thema ist "LOSLASSEN". Was für eine tolle Idee, los geht's :-) 

 

Ich konnte mich nicht zwischen einer Challenge und einem Blogbeitrag entscheiden, weshalb ich beides geschrieben habe. 

Am Montag 21. Mai 2018 startet die 14-tägige Challenge, machst du mit?

Die Männer in meiner Vergangenheit

Man kann nicht mit, aber auch nicht ohne, oder? :-) Es ist wie verhext. Ich habe grob gesagt zwei verschiedene Arten von Männern kennengelernt. 

Typ A: "Der Mann mit tollem Charakter"

Loslassen: Ich schliesse Frieden mit der Vergangenheit
Männer...

 

Dieser Typ Mann war sehr lieb, aufmerksam, witzig und konnte auch tiefgründige Gespräche führen. Er behandelte mich stets auf Augenhöhe, war ein Gentlemen, sah gut aus und hatte ehrliche Absichten.

 

Ich kann nicht genau sagen warum, aber ich versuche es zu beschreiben.

Irgendetwas in mir blockierte mich, ich war wie erstarrt und konnte keine Gefühle zulassen. Es war mir nicht möglich mich und mein Herz zu öffnen. Die Anziehungskraft reichte nicht. Es war für beide Seiten schwer. Er hoffte auf mehr, wurde enttäuscht, ich brauchte Zeit und ging ganz unbewusst weiter auf Abstand, was es schier unmöglich machte, uns weiter kennenzulernen. 

 

Vielleicht warst du auch mal in einer ähnlichen Situation?

 

Sehr lange zerbrach ich mir den Kopf: 

  • Mir tat es leid für ihn, dass ich nicht gleich fühlte. 
  • Mir tat es leid für mich, da es natürlich schön gewesen wäre, hätte es gefunkt und funktioniert. 
  • Ich war auch sauer auf mich, weil ich mal wieder blockiert war.
  • Vielleicht war ich starr vor Angst?
  • Vielleicht hatten wir beide nicht die nötige Geduld in der heutigen, hektischen Zeit?

Ich lasse meine Schuldgefühle los und schliesse Frieden mit der Vergangenheit. 

 

Typ B: "Der gut aussehende Mann ohne alles"

Loslassen: Ich schliesse Frieden mit der Vergangenheit
Männer...

 

Dieser Typ Mann war attraktiv. Punkt. 

 

Die negative Seite des Typ B: 

  • er konnte austeilen und andere beleidigen, aber...
  • ...er war unfähig einzustecken 
  • er zog mich nach Lust und Laune heran und stiess mich wieder weg
  • seine Altlasten waren schwer (Ex-Freundin, getrennte Eltern, Minderwertigkeitskomplexe, hatte sich noch nicht selbst gefunden)
  • für ihn hiess es "nehmen", aber nicht "geben"
  • gab anderen die Schuld für seine Misserfolge

Das Verrückte war, ich spürte tief in mir drin genau, dass es nicht passte. Ich wusste, wir waren nicht die richtigen füreinander. Doch mein Verstand und mein Bauchgefühl wurden von meinem Herz übers Ohr gehauen. Auch wenn es "nur" ein verknallt sein war, war ich lange: 

  • wütend auf mich selbst, habe ich mich so oberflächlich behandeln und ausnutzen lassen, 
  • sauer auf mich, weil ich nicht auf mein Bauchgefühl und meinen Verstand gehört hatte, 
  • enttäuscht von mir, dass ich so naiv war zu denken, "er wird sich schon noch ändern". 

Ich lasse meine Wut los und schliesse Frieden mit der Vergangenheit. 

 

Die Jobs in meiner Vergangenheit

Loslassen: Ich schliesse Frieden mit der Vergangenheit
Jobs...

 

Ich kann mich noch gut an meine ersten paar Arbeitgeber erinnern. Ich ging zur Arbeit, ohne gross darüber nachzudenken. Ich hatte Glück mit meinen Vorgesetzten, fühlte mich wohl im Team, musste nie gross über den Lohn diskutieren und empfand meine Aufgaben als sinnvoll. Leider folgten ein paar nicht so tolle Arbeitgeber. 

 

Ein Typ Chef wurde gerne mal laut. Ein zweiter führte die "Angestellten" nach dem Motto "friss oder stirb". Ein anderer Chef-Typ sorgte sich um seine Position, weshalb Wissen ungerne geteilt wurde. Dann war da noch der launische Typ Chef. Im Grossraumbüro zuckten die Mitarbeiter zusammen, wenn er wütend den Flur entlang lief. Nicht vergessen werde ich den Chef-Typ, welche die Angewohnheit hatte, andere in eine Falle zu locken, Worte im Mund umdrehte oder über ein Thema oder eine Person schlecht redete, mit der Absicht, sie gegeneinander aufzustacheln.

Lange war ich traurig und wütend auf mich.

  • Ich wusste bereits am Vorstellungsgespräch, "nein, das ist nichts für mich".
  • Ich dachte, ich müsste das Jobangebot annehmen und "man sollte nicht" in der Probezeit kündigen. Was denken dann die anderen von mir und wie sieht das im Lebenslauf aus? 
  • Ich redete mir schön, dass es wohl an der neuen Branche liege und ich einfach Zeit bräuchte, um mich richtig einzuleben. 

 

Heute würde ich keine Stelle mehr annehmen, wenn mein Bauch laut "nein" schreit. Ich würde nicht monatelang ausharren und mit Bauchweh und/oder Angst zur Arbeit gehen. Schliesslich sind wir unter der Woche länger bei der Arbeit als Zuhause (den Schlaf nicht mitgerechnet). 

 

Ich lasse meine Verletzungen los und schliesse Frieden mit der Vergangenheit. 

 

Die Freundschaften in meiner Vergangenheit

Loslassen: Ich schliesse Frieden mit der Vergangenheit
Freundschaften...

 

Ich habe tolle Menschen in meinem engen Umfeld, darunter jahrelange Freundschaften. Ihnen kann ich vertrauen, auf sie kann ich mich verlassen, ich darf Ich sein. 

 

Es gibt einige Möglichkeiten seine "wahren" Freunde zu erkennen. Sei dies

  • infolge einer Meinungsverschiedenheit,
  • bei Stress (wenn man sich eine Weile leider nicht sehen kann),
  • wenn es einem besonders schlecht geht (Verlust, Trauer, Krankheit, ...) oder 
  • wenn es einem besonders gut geht (Neid, Eifersucht). 

Leider sind einige Freundschaften auseinander gegangen: 

  • Mal lebte man sich auseinander, der Kontakt wurde mit der Zeit einfach weniger und weniger.
  • Andere Freundschaften waren in Wahrheit einfach nur eine gute, aber oberflächliche Kollegschaft.
  • Dann gab es noch "sogenannte Freunde", die
    • einen nicht ernst nahmen,
    • andere belogen und hinter deren Rücken schlecht über sie sprachen,
    • Geheimnisse ausplauderten,
    • immer wieder kurzfristig absagten, ohne Grund und ohne einen Gegenvorschlag oder
    • einen beklauten. 

Ich lasse meine Enttäuschungen los und schliesse Frieden mit der Vergangenheit. 

 

Die Familie in meiner Vergangenheit

Loslassen: Ich schliesse Frieden mit der Vergangenheit
Familie...

 

Niemand kann sich seine Vorfahren (und Nachkommen) aussuchen. Nur weil jemand mit dir verwandt ist, ist das noch lange kein Grund, dass du ihn lieben musst oder er es gut mit dir meint. Es kann sein, dass sich bei diesen Zeilen einige aufregen, sie es nicht verstehen können oder mir Vorwürfe machen. 

 

Wenn ein Mensch den Kontakt zu einem Familienmitglied abbricht, hat das immer seinen Grund und ist wohl überlegt. Ich habe den Kontakt zu einem Familienmitglied abgebrochen und diese Entscheidung hat mein Leben erleichtert. 

 

Ich lasse meine Altlasten los und schliesse Frieden mit der Vergangenheit. 

 

Wenn ich die Vergangenheit ändern könnte

Mein neues Ich verträgt sich nicht mit dem alten Ich

Heute könnte mir das nicht mehr passieren, ich würde mit solchen Menschen und Situationen ganz anders umgehen. Heutzutage würde ich - dank meinen Erfahrungen - anders reagieren und mich nicht mehr ohnmächtig, ausgeliefert oder so schnell verletzt fühlen. 

 

Lange habe ich mich mit diesen Fragen beschäftigt und mir Vorwürfe gemacht: 

  • Wieso habe ich mich auf den "bad boy" eingelassen?
  • Warum konnte ich mich nicht in den "Anständigen" verlieben?
  • Warum habe ich nicht früher den Job gewechselt?
  • Wie konnte ich so blind sein und mich auf die falschen Menschen einlassen?
  • Wieso passierte mir das alles? Was habe ich falsch gemacht?
  • Warum gehörten Selbstliebe, Abgrenzung und Selbstbewusstsein damals nicht zu meinem Wortschatz? 

 

Was würde ich tun, könnte ich in der Zeit zurückreisen? "Ich würde...", "ich könnte nicht mehr..." oder "diesmal handelte ich..." . Aber schlussendlich ist es doch so:

  • Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, egal, wie sehr ich mich bemühe oder was ich dafür opfern würde.
  • Wäre nicht alles so geschehen, wie es nun einmal geschehen war, wäre ich heute nicht diejenige, die ich bin und stünde nicht da, wo ich heute stehe.
  • Kurioserweise war es meist so, dass ich erst eine schlimme Phase durchmachte und dann nach der überstandenen Zeit feststellte, dass es mir sogar viel besser ging als noch vor dieser Phase.
  • Fraglich ist, ob ich gänzlich vor Traurigkeit, Wut und Enttäuschung verschont geblieben wäre? Oder hätte ich heute andere Narben?
  • Zu guter letzt: All die Abzweigungen, die ich genommen habe, waren es immer nur meine Entscheidungen?

Liebe Vergangenheit, wollen wir Frieden schliessen?

Es gab einige Menschen, die mich sehr verletzten, mich schlecht behandelten und sich nie dafür entschuldigten.

Ich verzeihe diesen Menschen nicht, ich vergesse die Vergangenheit nicht. Aber ich schliesse damit ab, ich lasse die Vergangenheit los. 

 

Natürlich wird es immer wieder schwierige Situationen in meinem Leben geben, alles andere wäre Illusion. Doch dank, ich betone hier bewusst „dank“, den negativen und energiezerrenden Erfahrungen in meinem Leben bin ich heute diejenige, die ich bin. Nicht zu vergessen sind die überwiegend schönen Zeiten, die positiven Begegnungen mit Menschen und die richtigen Entscheidungen. Es ist nicht alles schwarz-weiss, es gibt nicht nur richtig und falsch. Zwischenmenschliche Beziehungen sind komplex. 

 

Meine Begleiter sind heutzutage: 

 

Vergessen ist die Zeit, in der ich in der Vergangenheit lebte. 

Ich lasse los und schliesse Frieden mit der Vergangenheit. 

 

 

Ella 

 

Eine Übersicht aller Beiträge der Schreibparade findest du hier

 

 

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Kommentare: 6
  • #1

    LU vs ZH (Dienstag, 15 Mai 2018 07:55)

    Hey Ella

    Sehr schöner Blog! Du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht - die Zeit kann man nicht zurückdrehen. Das Passierte nicht ändern - zum Glück! Jede Erfahrung - sei es positiv oder (leider auch) negativ - gehören zum Leben dazu wie Essen und Trinken. Die Herausforderung ist, wie man daran stärker wird - und das bist du! Gratuliere!

  • #2

    Ella (Dienstag, 15 Mai 2018 12:52)

    Vielen lieben Dank für deine Rückmeldung. Schöner Vergleich, gefällt mir sehr gut!:-)

    Liebe Grüsse
    Deine Ella

  • #3

    Feli (Freitag, 18 Mai 2018)

    Liebe Ella
    Deine Worte treffen mich zu tiefst, du bist super!
    ICH LASSE DIE VERGANGENHEIT LOS UND LÖSE MICH VOM ALTEN VERHALTENSMUSTER
    In Liebe

  • #4

    Ella (Freitag, 18 Mai 2018 14:23)

    Liebe Feli

    Vielen Dank für deine lieben Worte! :-)

    Jaaa, das klingt toll, ich drücke dir beide Daumen!!

    Liebe Grüsse
    Deine Ella

  • #5

    Roger (Sonntag, 17 Februar 2019 14:26)

    Liebe Ella

    Ich erkenne mich in so vielen Gedanken von Dir wieder. Auch ich habe mich von meiner Mutter abgewandt weil sie mich missbraucht hat (ja, ich gehöre zu dem einstelligen Prozentsatz). Auch mein Arbeitsplatz hat schuld daran, wie es mir heute geht. Ich habe eine Odyssee von Therapien hinter mir, Psychotherapie, CBASP, Ketamin, EKT, jetzt Traumatherapie, Tagesklinik, Notfallpsychiatrie, geschlossene Klinik, Selbstmordversuche... Ich habe noch lange keinen Frieden mit der Vergangenheit geschlossen. Aber trotz allem sehe ich Veränderungen, die durchaus positiv sind: ich konnte mit der Mutter brechen, ich habe nach wie vor einen Job bei der UBS, ich mache im Geschäft wieder das, was ich gerne mache. Ich bin nicht mehr Manager, kann jetzt Gefühle zeigen, wehre mich, wenn ich etwas doof finde. Ich töpfere, bearbeite Steine, baue Legosets, kann alleine in den Urlaub fahren. Ich kann trotz EKT wieder lesen, die Erinnerungen kehren auch langsam zurück.

    Es gibt immer noch Bereiche, in denen ich mich nicht wohl fühle. Daheim zum Beispiel. Die Familie versteht nicht, was in mir abgeht. Wie auch, ich verstehe es ja auch nicht. Das schlimmste, was ich in den letzten 4 Jahren gehört habe, hat meine Tochter gesagt: ich wünsche mir den alten, starken Papi wieder. Ich bin ihr nicht böse, sie hat es einfach auf den Punkt gebracht. Irgendwann werde ich ihr erklären, dass sie diesen nie mehr sehen wird.

    Deine Blogs, liebe Ella, berühren mich immer wieder und regen mich zum Denken an. Damals in der Klinik konnte ich nie verstehen, wieso Du auch da warst. Wie auch, ich war noch nicht soweit. Jetzt verstehe ich Dich, wir sind beide Rastlose auf einem gebirgigen Pfad und suchen den Sonnenschein, der uns wieder wärmt und uns den Weg weist.

    Liebe Grüsse

  • #6

    Ella (Sonntag, 17 Februar 2019 20:50)

    Lieber Roger

    Wow, vielen herzlichen Dank für deine Offenheit, finde ich sehr mutig und authentisch von dir!!
    Ich hoffe, das macht auch anderen Mut, schwierige Zeiten durchzustehen. Finde ich so treffend geschrieben: „...Veränderungen, die durchaus positiv sind.“ Auch in den dunkelsten Zeiten das durchaus vorhandene Positive — sei es im Moment selbst, rückblickend oder aufgrund der neuen Begebenheiten — anzuerkennen, ist der richtige Weg meiner Meinung nach. Ich gehe sogar soweit zu sagen, das ist der Sinn des Lebens (ps: darüber habe ich kürzlich ein Gedicht geschrieben, „Sinn des Lebens“, unter Blog/Lyrik oder https://www.gedankenchaos.com/2018/08/26/sinn-des-lebens/).

    Ich freue mich von ganzem Herzen, was du alles erreicht hast!!! :-)
    Ich verstehe dich voll und ganz. Es gibt immer wieder Trigger im Leben, Bereiche, in denen wir uns unwohl fühlen, schlechte Stimmung oder Erschöpfungserscheinungen ertragen müssen. Ich glaube mit Akzeptanz und Selbstliebe können wir innere Ruhe und Gelassenheit gewinnen wie auch als Schutz den negativen Energien und schädlichen Einflüssen entgegentreten. Klar, leichter gesagt in guten Zeiten als getan in den miesen, deprimierenden Zeiten. Jedoch hilft mir persönlich dieser Gedanke um weiterzumachen.

    Ich danke dir vielmals für dein liebes Kompliment!! So macht schreiben Sinn und noch viel mehr Freude! :-) die Metapher mit dem Pfad und dem Sonnenschein klingt wunderschön!!

    Es ist so, niemand kann genau nachempfinden, wie es dem Gegenüber geht. Auch wenn zwei einen fast identischen Lebensweg teilen, an derselben Krankheit leiden oder das Gleiche gehört/gesehen haben, wir sind Individuen. Jeder fühlt, denkt und handelt als eigenständiges Lebewesen. Dann gibt es noch das Pokerface oder die verschiedenen Masken, die wir aufsetzen, aufgrund unserer Erfahrungen, Scham, Stolz oder Angst. Um einander besser zu verstehen, hilft ein solcher Austausch und persönliche Gespräche. So haben wir zu mindest eine „Ahnung“, wie der andere tickt. Aber genau wissen, tunwir es nicht. Stichwort: erster Eindruck oder Vorurteile...

    Alles, alles Liebe, Gesundheit, Mut, Gelassenheit und schöne, positive Momente wünsche ich dir!!

    Herzliche Grüsse
    Deine Ella