Let's talk about Depression, Benzo, kiffen und trinken

Let's talk about...Depression, kiffen, trinken und Benzodiazepine
Let's talk about...

 

"Meine Zimmerdecke ist echt schön", stellte sie mit verträumten Blick fest.

"Ähm, was meinst du?", erwiderte Jenni. 

"Nun ja, ist doch so. Diese gleichmässige Struktur. Angenehme Farbe. Nicht zu hell, nicht zu dunkel. Ich mag meine Zimmerdecke".

"Hast du gekifft, getrunken oder bist du auf Benzo*?", sie konnte ihr Lächeln durch das Telefon hören.

"Hey, hehe, sagen wir es so: mir geht es gerade richtig gut!". Flaurence legte ihr iPhone zwischen Ohr und Schulter und - mit einem grossen Seufzer - streckte sie alle Viere genüsslich auf der Couch aus.

 

 

 *Benzodiazepine

"... sind pharmazeutische Wirkstoffe mit angstlösenden, krampflösenden, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften. Sie werden unter anderem gegen Angst-, Erregungs- und Spannungszustände, Schlafstörungen und Epilepsie eingesetzt und gehören zu den am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka...Form von Tabletten, Schmelztabletten, Kapseln, Tropfen und als Injektionspräparate..."

Zitat PharmaWiki

 

 

 

Let's talk about...Depression, kiffen, trinken und Benzodiazepine
Flaurence

 

"Weisst du Jenni, ich überlege so und mir wird klar, dass die Depression irgendwie auch was Gutes hat. Ich meine, ich bin jetzt nicht froh eine Depression zu haben, hätte ich mir nie ausgesucht, auch ist es meist echt schwer und bedrückend und ja, du kennst das ja. Aber im Moment fallen mir auch einige positive Seiten ein."

 

"Ach ja, was denn? Oh warte, Oliver ruft gerade an. Schalten wir ihn dazu?"

"Oh ja!", freute sich Flaurence. Sie erinnerte sich gern an ihre Gruppengespräche. 

"Hi Leute." "Hi Oli, schön euch beide zu hören. Hey, wollen wir nicht noch Andy einladen? Dann wäre das Quartett voll", fragte Flaurence lachend. Keine Minute später waren alle vereint. "Flaurence wollte gerade erklären, warum unsere Depression auch positiv sein kann", meinte Jenni ein wenig neckisch. 

Flaurence philosophiert über die Depression und das Kiffen

 

"Also Leute, es ist doch so. Die Depression ist, nun ja,

  • sie könnte mal weiterziehen, aber tut es nicht, 
  • Schlafrhythmus, was ist das?
  • Mein Appetit hat das Land verlassen, 
  • meiner Stimmung fehlt es an Takt, 
  • meine Hoffnung hat Untergewicht,
  • mit meinem Alpträumen kann ich mir die Sauna sparen,
  • meine Trigger klingeln sturm und 
  • meine Sportart ist das Grübeln. 

Aber manchmal merke ich, wie ich mich durch die Krankheit die letzten Jahre verändert habe. Also positiv. Dank, ja ich weiss, es klingt komisch, aber wirklich "Dank" der Depression bin ich heute viel aufmerksamer. Ich laufe nicht mehr wie ein Roboter durchs Leben, von einem Plan zum nächsten. Pläne zu haben ist ja gut und recht, aber dabei darf die Flexibilität nicht fehlen. Bei mir war es ja früher so, dass ich immer nur in der Zukunft lebte. Immer auf der Suche nach etwas, dass mich erfüllen könnte. Aber das geht ja nicht.

 

Heute kann ich viel besser im Moment leben und mich spüren. Meine Bedürfnisse, meine Grenzen, mein ganzes Sein. Soll jetzt nicht esoterisch oder so klingen. Mir wird einfach bewusst, wie ich heute das Leben sehe.

 

Klar, gibt es noch zu viele schlechte Tage, logisch, bin ich körperlich alles andere als fit, aber ich habe viel über mich selbst gelernt. Viel aus zwischenmenschlichen Situationen gelernt. Auch fällt mir bei einer Diskussion oder Streit viel eher auf, dass es meist nicht um das ausgesprochene Thema selbst geht. Jeder trägt sein Rucksäckchen, aber noch lange nicht jeder ist sich dessen bewusst. Selbstreflexion will gelernt sein. Auch heute noch falle ich auf einige Trigger rein und reagiere nicht so, wie ich das gern hätte. Aber ich bin mir dessen bewusst und arbeite an mir. Ich bin aus dem ganzen Nebel von Oberflächlichkeit, Karriere machen, viel Geld verdienen und Partnerschaft ohne Verbundenheit raus, ich bin endlich aufgewacht. Wisst ihr etwa, was ich meine?"

 

Andy hat es nicht leicht am Arbeitsplatz

Let's talk about...Depression, kiffen, trinken und Benzodiazepine
Andy

 

"Hey Kleine, ich bin da voll bei dir! Wie recht du hast. Erst heute habe ich wieder gemerkt, wie sehr mich mein Job belastet und mich gefragt, warum ich mir das antue. Ich bin so ausgelaugt und kaputt. Die letzten Tage waren sooo anstrengend. Der Chef war mal wieder trotzig wie ein Kleinkind, dem der Schnuller weggenommen worden ist. Hulk kommt nicht an seine Wutanfälle an, glaubt mir. Aber ich habe mich schon oft über meinen Chef  „ausgekotzt“.

 

Ich weiss einfach nicht weiter. Soll ich einen neuen Job suchen? Aber eigentlich habe ich gar keine Kraft. Soll ich mich beim Personalchef melden? Das könnte nach hinten losgehen. Mich wieder krank schreiben lassen? Dann habe weniger Lohn, wird eng. 

 

 

 

 

 

Klar, jetzt kann ich gechillt über alles sprechen, der Wodka hat's echt in sich. Aber ohne geht's zurzeit nicht, ich muss mich einfach betäuben, um nicht durchzudrehen. Die Lösung ist nicht perfekt, dafür verschafft sie mir eine Pause. Wie schaffst du das Jenni, also so finanziell?"

 

Let's talk about...Depression, kiffen, trinken und Benzodiazepine
Jenni

 

"Ach Andy, ich kann dich sooo gut verstehen. Alles fällt mir schwer. Angefangen vom Aufstehen, über duschen und etwas zu essen. Geschweige denn rauszugehen. Meine Depression hält mich zuhause fest, wie ein Mega-Magnet. Nur mit Xanax schaffe ich es einigermassen, ohne könnte ich nicht mal einkaufen und zum Arzt gehen. Aber ich will ja nicht süchtig werden, also kann ich es nicht so oft nehmen. Ich bin dann auch so benebelt, könnte so gar nicht arbeiten. Ah ja, und das bisschen Haushalt schaffe ich auch nur dank Benzo.

 

Und finanziell? Miete spare ich ja, weil ich wieder nach Hause gezogen bin. Kreuz an die Decke, dass meine Eltern easy drauf sind, sonst ginge das nicht. Den Rest zahl ich mit meinen Ersparnissen. Allzu lange geht das auch nicht, aber im Moment ist es okay."

 

"Zum Glück hatte mein Arbeitgeber eine so gute Krankentaggeldversicherung, da mach ich mir für die nächsten 13 Monate keinen zusätzlichen Stress. Irgendwann kommt wohl noch die Ausgleichskasse mit einer AHV-Forderung, aber den Teil spar ich ja jetzt. Wisst ihr, das finde ich eh unlogisch. Wenn man die AHV / IV ja trotzdem zahlen muss, also nachzahlen, warum wird das nicht direkt vom Krankentaggeld abgezogen? Voll schräg", seufzte Flaurence.

 

"Das verstehe ich auch nicht, Flaurence", stimmte ihr Oliver zu. "Was hilft euch so, wenn es euch mega schlecht geht?"

 

Andy reagierte sofort, "mir hilft vor allem Ablenkung! Halt so die Klassiker, Netflix-Abend, lustige You Tube Videos gucken, 

meinen Bocksack verdreschen, was oft echt gut tut", meinte er schmunzelnd, "oder halt Alk trinken oder Medis nehmen. Ihr so?"

 

"Ablenkung ist auch mein Ding. Ich habe einen Notfallplan mit über 20 positiven Aktivitäten erstellt. Filme und Serien gucken ist selbstverständlich auch dabei, müssen aber lustig und fröhlich sein, nichts was runterzieht. Alkohol mag ich nicht so, aber kiffen hilft mir. Ich hab das Gefühl, es ist ja pflanzlich, keine Chemie und ich habe noch nie von Nebenwirkungen gehört. Medis können ja leider süchtig machen, Alk gibt 'nen Kater. Aber hey, nicht wertend gemeint, jeder so, wie es ihm gut tut!

 

Ich merke für mich beim Kiffen, dass ich viel entspannter mit negativen Gedanken umgehe. Wenn ich eine negative Nachricht bekomme, dann juckt mich das nicht. Ohne würde ich mich weinend unter der Bettdecke verkriechen. Das mit der Müdigkeit oder den Fressattacken habe ich jetzt nicht so, aber da ist ja jeder anders. Ich bin dann zwar voll entspannt, aber ich sprudle vor Kreativität. Zeichnen empfinde ich als sehr sinnvoll und ich kann mit einigen Bildern sogar anderen eine Freude machen. Der Gedanke lindert das Gefühl der Zeitverschwendung. Dann brauch ich kein schlechtes Gewissen zu haben... Phu, jetzt habe ich viel geredet, bestimmt über eine halbe Stunde", lachte Flaurence. "So Jenni, jetzt weisst du auch, was ich genommen habe, hehe". 

 

"Und was machst du zurzeit Oli?", wollte Jenni wissen. 

 

Oli sucht noch nach Ablenkung und Besserung

Let's talk about...Depression, kiffen, trinken und Benzodiazepine
Oli

 

"Ich? Hm, ja das ist es. Probiere nun schon das 7te Anti-Depressiva aus, aber die Nebenwirkungen sind übel. Wie sagt man, alle guten Dinge sind 8?", Oli musste ab sich selbst lachen. "Hach Leute. Ich kann mit Leuten, die mit einer Depression noch gar keine Berührungspunkte hatten, nicht über sowas sprechen. Tut echt gut, mit euch reden zu können."

 

Nachdenklich fuhr er fort,  "wenn ich traurig bin oder schlechte Laune habe, hilft mir gar nichts. Oder ich hab's noch nicht gefunden. Ich komme aus meinem Loch gar nicht raus. Hab's mit trinken und rauchen versucht. Aber mit Alkohol werde ich so wehleidig, Kiffen macht mich mega müde. Häufig schlafe ich, damit die Zeit vergeht. Ich bin einfach so lustlos.

 

 

 

 

 

Meine Therapeutin sagt immer, ich bräuchte Bewegung. Aber ihr kennt das. Ich habe Null Energie, also auch keine Kraft mich zu bewegen. So habe ich keinen Hunger und esse weniger, was mich müde macht und ich noch weniger Energie habe. Ein wahrer Teufelskreis."

 

"Oh ja, diesen kenne ich auch gut", entgegnete Jenni. "Wie kann man das eine tun - was wohl helfen würde - wenn das nötige andere nicht möglich ist? Ich bin auch froh, kann ich mit euch darüber sprechen. Kommunikation ist so wichtig! Auch wenn wir alle an Depression leiden, ist es doch bei jedem anders. Und auch das ändert sich immer wieder, mir geht es nicht immer gleich schlecht. Mal hilft mir das, mal gar nicht. Aber das Verständnis füreinander, sich gehört und gesehen zu fühlen, das hilft mir so sehr."

 

"Das ist wohl das ewige, leidige Thema", meldete sich Flaurence zu Wort. "Immer, wenn ich mich übergangen oder nicht wertgeschätzt fühle, verfalle ich meinen Triggern. Meine negativen Erfahrungen ziehen mich runter und ich kann nicht mehr unterscheiden, was belastet mich an dieser Situation und was an der früheren. Was ist mein Anteil, was der der anderen Person. Ich weiss ja, nicht alle Menschen sind so wie meine Eltern, aber dieses kleine, kindliche Ich in mir ist traurig und wütend, ich kann dann nicht mehr wie eine Erwachsene denken."

 

Kann Jenni die anderen von ihrer Idee begeistern?

 

"Ou ou Flaurence, und auch Oli und Andy, genau, das wollte ich euch mal noch erzählen. Ich habe mir ein Buch gekauft, es heisst

  • "Das Kind in dir muss Heimat finden - Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme von Stefanie Stahl". 

Ich habe das Buch noch nicht zu Ende gelesen, aber die ersten Kapitel sind echt spannend! Da geht es genau dadrum, wie es möglich sein kann, mit seinem kindlichen ICH, seinem erwachsenen ICH, seinem Schatten- sowie Sonnenkind umzugehen. Ich glaube, das Buch ist echt hilfreich!"

 

"Wow Jenni," jauchzte Flaurence begeistert, "das klingt ja toll! Muss ich auch haben. Meine Kindheit hat immer noch so grossen Einfluss auf mein heutiges Leben. Ich wäre echt erleichtert, könnte ich vieles loslassen. Denke, dann wären meine Nackenverspannungen auch weniger, haha."

 

"Ou ja, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Co, die somatischen Beschwerden loslassen können und einfach wieder fit zu sein! Ich kauf mir das Buch auch!", klang Andy etwas erleichtert. 

 

Jenni wurde von ihrem Ehrgeiz gepackt. "Leute, Leute, ich habe die Idee! Wir alle kaufen und lesen dieses Buch und treffen uns für eine Art "Buchbesprechung". So können wir unsere Erfahrungen austauschen, vielleicht sogar kreativ ein Mindmap oder Derartiges erstellen. Wie wäre das?? Ich hätte voll Bock drauf. Wäre auch eine tolle Motivation endlich mal weiterzulesen. Vielleicht hilft uns das wirklich? Was meint ihr?"

 

"Ich bin zwar nicht so der Bücherwurm, aber probieren schadet ja nicht", antwortete Andy. "Und hey, vielleicht trinke ich dann in Zukunft nur noch der Lust wegen. Wäre gern so stark, mit meinen Stimmungsschwankungen ohne Betäubung umgehen zu können."

 

"Bin auch dabei!", jubelte Flaurence. "Ich werde bestimmt niemals ganz mit Kiffen aufhören, aber es wäre so toll rauszukriegen, wie es ist, bereits vor dem Rauchen glücklich und easy drauf zu sein."

 

"Wer weiss, vielleicht komme ich vom Benzo los. Wäre toll, meine Panikattacken auch so in den Griff zu bekommen", freute sich Jenni. "Also, dann bleibt nur noch Oliver, neeeee, sag ja! Sag Ja!"

 

"Da kann ich ja gar nicht anders", gröllte Oli, "also dann, bin dabei! Das Buch wird ja kaum solche Nebenwirkungen wie meine Anti-Depressiva haben", seufzte er mit einer spürbaren Gelassenheit. 

 

 

 

 

Ella

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0