Wie entsteht eine Depression? Warum habe ich eine Depression?

Vulnerabilitäts-Stress-Modell
Wie entsteht eine Depression?

 

Welche Ursachen einer Depression gibt es?

Kann man sagen, Vulnerabilität und Stress gleich Depression?

 

Diese und weitere Informationen findest du in diesem Beitrag. 

Was bedeutet Vulnerabilität?

Unter Vulnerabilität versteht man die allgemeine oder besondere

  • Verletzlichkeit
  • Verletzbarkeit
  • Anfälligkeit
  • Verwundbarkeit

 

Mögliche Ursachen sind

  • erbliche Veranlagung
  • einschneidende, schicksalsschwere Lebensereignisse
  • organische Disposition (Veranlagung oder Empfänglichkeit des Organismus für bestimmte Krankheiten)
  • Instabilität der Botenstoffsysteme im Gehirn (Serotonin, Noradrenalin)
  • überhöhte Anspruchshaltung (an sich oder andere)
  • fehlendes Urvertrauen
  • negatives Selbstwertgefühl, geringes Selbstbewusstsein
  • ...

 

Was bedeutet Stress?

Unter Stress versteht man 

  • körperliche oder seelische Belastung
  • erhöhte Beanspruchung
  • starke Anspannung

 

Mögliche Stressauslöser sind

  • Stress am Arbeitsplatz
  • Arbeitslosigkeit
  • Dauerkonflikte
  • chronische Überforderung
  • familiäre Veränderungen
  • grosse Veränderungen (Umzug, neuer Job, Heirat, Geburt, Scheidung, Tod, Trennung)
  • ...

 

Zusammenspiel von Vulnerabilität und Stress

Vulnerabilität + Stress = Depression
Vulnerabilitäts-Stress-Modell

 

Im sogenannten Vulnerabilitäts-Stress-Modell werden die Vulnerabilität und der Stress kumuliert und angeschaut, wie viel erträgt die Gesundheit noch, bevor es zur Erkrankung kommt. 

 

Überschreiten die Vulnerabilität und der Stress zusammen eine kritische Grenze, kann es zur depressiven Erkrankung kommen.

 

Ganz grob: 

Vulnerabilität + Stress = Depression

 

Jeder Mensch kann depressiv werden.

 

 

Bei einer hohen Verletzlichkeit (Vulnerabilität) braucht es nur wenig Stress und die Grenze ist überschritten

 

Beispiel: Die 30-jährige Nadine hatte es nicht leicht in ihrer Kindheit; vom Vater verlassen, von der Mutter seelisch misshandelt. Ihre Verwundbarkeit ist seit der Kindheit sehr hoch. Als es dann zu Umstrukturierungen in der Unternehmung, in der sie arbeitet, kommt, sie gekündigt wird, ist der Stress zu hoch und sie fällt in ein tiefes Loch. Ihr geht es körperlich und psychisch sehr schlecht. Die kritische Grenze wurde klar überschritten. 

 

Beispiel: Der 25-jährige Peter wurde als Kind oft wegen seines Übergewichts gehänselt und gemobbt. Er hatte es sehr schwer in seiner Kindheit, weinte sich oft in den Schlaf und war sehr viel krank. Mit Anfang 20 fing er an regelmässig Sport zu treiben, seine Ernährung umzustellen und nahm etliche Kilos ab. Äusserlich hatte er die Figur, die er sich wünschte. Innerlich war er immer noch der verletzte kleine Junge. Als er dann sein linkes Bein brach und dadurch einige Monate keinen Sport machen konnte, nahm er 5 Kilos zu. Eigentlich gar kein Problem, jedoch für ihn ein Alptraum. Bei diesem Thema ist er immer noch sehr verwundbar, weshalb durch diese neue Stresssituation die kritische Grenze überschritten ist. 

 

 

 

Umgekehrt verhält es sich auch bei einem zu hohen Stresspegel, zusammen mit auch nur einer geringen Vulnerabilität kann die betroffene Person krank werden

 

Beispiel: Die Eltern des 27-jährige Thomas hatten sich scheiden lassen, als er 10 Jahre alt war. Seine Eltern hatten sich friedlich getrennt und er wuchs als glückliches Kind auf, hatte ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter und zu seinem Vater. Seine Verletzlichkeit lag im unteren Bereich. Als Erwachsener hüpft er von einer Beziehung zur anderen, da er unbewusst davon überzeugt ist, dass es für jede Bindung ein Ende gibt, also wieso soll er sich überhaupt darauf einlassen. Seine Freunde heiraten und planen ihre eigene Familie, immer wieder wird er gefragt, wann es denn bei ihm soweit ist. Er fühlt sich mehr und mehr gestresst, hat immer wieder Konflikte mit anderen und sich. Der erhöhte Druck, sein eigener Stress und die Dauerkonflikte sind sehr stark und er kommt an seinen Tiefpunkt. Die kritische Grenze wurde klar überschritten.

 

Beispiel: Die 35-jährige Monika hatte eine glückliche Kindheit und auch in ihren Zwanzigern lief alles wunderbar für sie; sie hatte einen guten Job, einen tollen Ehemann und zwei wundervolle Kinder. Als ihr Ehemann bei einem Autounfall ums Leben kommt, fällt sie in ein tiefes Loch. Sie trauert um ihre verstorbene Liebe, "muss" für ihre Kinder stark bleiben, ist zugleich Mama und Papa, dann der ganze Stress mit den Versicherungen, Ämtern und finanzielle, doppelte Belastung. Der Stress steigt enorm an und die kritische Grenze ist überschritten. 

 

 

Ganz wichtig

Kommen 10 Personen in die gleiche Situation, erlebt jeder einzelne die Situation anders. Denn: jeder trägt seinen Rucksack, hat seine Erfahrungen, Ansicht, Meinung, Gedanken und Gefühle. Bei jedem liegen die Stärken und Angriffspunkte woanders. Keiner empfindet und denkt genau so wie du. Ähnlich ja, aber nicht gleich. Somit erkrankt nicht jeder an der gleichen Vulnerabilität (Verletzlichkeit, Anfälligkeit) oder an der gleichen Stresssituation.

 

Manchmal scheint es unfair, dass ich an der Situation so sehr leide, die andere Person scheint davon unberührt. So erkennen wir wieder, dass wir alle Individuen sind und jeder seine eigenen Empfindungen hat. Was hier auch noch interessant ist: "die andere Person scheint davon unberührt", manchmal tragen wir Masken, um zu verbergen, wie es wirklich in uns aussieht. Der andere scheint kühl zu sein, vielleicht ist er innerlich jedoch sehr traurig, wütend oder unsicher. 

 

 

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Deine Ella

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Roger (Freitag, 12 April 2019 18:04)

    Bei einschneidenden Lebensereignissen, vor allem bei wiederholenden, lohnt es sich, eine Traumatherapie in Betracht zu ziehen. Sie ist hart, sie schmerzt, ist aufwühlend, macht traurig, erschöpft. Aber ich habe auf einmal Zugang zu Erinnerungen, die mir helfen, zu verstehen und ich kann Geschichten abrufen, die vorher weg waren. Ich habe wieder Erinnerungen an meine Grosseltern, wie lieb sie waren, wie beruhigend die Stimme des „Grösi“ war, wie weich es war in ihren Armen, wie es immer gut geduftet hat bei ihr. Das ist eine Ressource geworden, wenn es mir schlecht geht, dann umarme ich mich selber und denke an „Grösi“. Und dann geht es sofort etwas besser. Es ist wie eine Parkbank in einem steinigen, ausgetrockneten Flussbett.

  • #2

    Ella (Freitag, 12 April 2019 19:30)

    Lieber Roger

    Wow, vielen lieben Dank für deine Worte. So ehrlich, aufmunternd und nachhaltig!! Sehr schöne Metapher. Auch ich habe viele schöne Erinnerungen mit dem „Grossmami“, werde versuchen öfter daran zu denken, DANKE.

    Liebe Grüsse
    Deine Ella